Freitag, 20. November 2009

Gemeinsam gegen überhöhte Schwarzwildbestände

Im Rahmen der Agritechnica in Hannover berichteten der Deutsche Jagdschutzverband und der Deutsche Bauernverband über das vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz initiierte Projekt "Modellvorhaben Schwarzwildbewirtschaftung". In dessen Rahmen werden in sechs bundedeutschen Regionen über drei Jahre ackerbauliche und jagdliche Strategien zur Reduktion des Schwarzwildes auf ihre Kosten und Nutzen hin begutachtet. Einig war man sich darin, dass trotz der letztjährigen Rekordstrecke zumindest regional weiter Handlungsbedarf besteht.

Mitunter ein Aspekt war die Bewertung von Schusschneisen. Dabei kommt man wohl zu dem Ergebnis, dass die Einssaat von Schneisen mittels anderer Feldfrüchte wie z. B. Sommerweizen im Mais vorteilhafter sei, als das spätere Einhäckseln. Dies dürfte auf alle Fälle im Hinblick auf die Vertrautheit des Schwarzwildes auf den Schneisen tatsächlich von Bedeutung sein. Ausserdem zeige sich, dass die Schneisen quer zur Saatrichtung angelegt werden sollten. Bei der Planung der Schneisen könne sich zudem die Beachtung von im Mais gelegenen Wasserstellen günstig auswirken. Auch das kann ich bestätigen: Sauen lieben es, sich im Mais wenn möglich gleich auch noch zu suhlen. Im vergangenen Sommer stellten wir einen mobilen Sitz halb in den Mais mit Blick auf ein kleines Wasserloch - mit Erfolg. Hinsichtlich der Kosten-Nutzen-Rechnung hat man nach ersten Rechenversuchen, die man noch nicht als repräsentativ werten kann, festgestellt, dass Schneisen bis zu einer Größenordnung von 10% (!) der Gesamtfläche noch mit vertretbarem Aufwand angelegt werden können. Dabei würde sich die Anlegung ab einer effektiv-erreichten Schadensminderung von 4-5 % lohnen.

Schliesslich will man auch bei der Durchführung von revierübergreifenden Drückjagden weiteres Potential sehen. Das wird ja nun seit Jahren als Allheilmittel gepriesen. Ob es wirklich hilft? Schaden kann es jedenfalls im Hinblick auf überhöhte Schwarzwildbestände auch nicht. Nur ist man als williger Pächter stets auch von dem Willen der Nachbarn abhängig. Und da liegt bekanntermaßen oft einiges im argen.

Vor allem ist man sich darin einig, dass gute Ergebnisse nur dann zu erzielen sind, wenn Jäger, Landwirte und Grundeigentümer Hand in Hand arbeiten. Zumindest dem ist nichts hinzuzufügen.

Weitere Informationen findet man in Stefans JagdBlog.

Kommentare

Startseite

Mittwoch, 18. November 2009

Tödlicher Jagdunfall

Warum verdammt nochmal halten sich die Leute noch nicht an die einfachsten Sicherheitsregeln!? Vor unvorhersehbaren Geschehensabläufen ist niemand gefeit. Aber ein Minimum an Beherrschung darf man doch von jedem Jäger verlangen.

Ich will mich vor Vorverurteilungen hüten. Ich war bei dem Jagdunfall in Imsweiler (Rheinland-Pfalz/Donnersbergkreis), bei dem ein 71-jähriger sein Leben gelassen hat, nicht dabei. Nach dem Zeitungsbericht bei rp-online liest es sich aber so, dass ein Nachbarschütze mit seinem Gewehr durch die Schützenkette hindurch gezogen hat, als er ein Wildschwein schießen wollte. Wenn das der Wahrheit entspricht, ist das Verhalten des Unglücksschützen schlicht und ergreifend unfassbar.

Die Dummheit dieses Verhaltens ergibt sich schon aus § 4 Abs. 7 der UVV Jagd. Ich verstehe es von Mal zu Mal weniger, dass sich eine Vielzahl von Jägern nicht an diese Bestimmungen hält. Wenn dies bei der Einzeljagd passiert, ist es mir ja noch egal. Auf Gesellschaftsjagden ist es einfach nur eine bodenlose Sauerei. Diese Ignoranten spielen mit dem Leben ihrer Jagdkameraden und dem Unbeteiligter. Wer in diesen Tagen auf Gesellschaftsjagden herumläuft, darf gerne einmal die Anzahl geschlossener Waffen zählen. Ich hatte das ja hier erst kürzlich angemerkt. Auf der Drückjagd am Sonntag habe ich dann diesbezüglich mein persönliches Highlight erlebt: Papi mit seinen zwei Söhnen, beide ausgestattet mit einem Halbautomat von Merkel, kommen nach dem zweiten Treiben wieder am Auto an. Wie es sich für den deutschen Durchschnittsjäger gehört, wird auf die UVV geschissen - ist eh' nur was für Bürokraten; die Verschlüsse sämtlicher Waffen sind standesgemäß geschlossen. Beim stakkatomäßigen, leicht hilflosen Gefummel mit dem Vollernter, klimpert nach dem Entfernen des Magzins und dem Zurückziehen des Verschlusses bei einem der Jungs eine Patrone aus dem Lager. "Oh, ich dachte, ich hätte unterladen...", war dann die halb-entschuldigende Aussage, die für sichtliche Erheiterung bei den Dreien sorgte. Ganz im Ernst: Solchen Leuten gehört die Waffe abgenommen. Am meisten ärgere ich mich über mich selbst und in dieser Situation nichts gesagt zu haben. Ich denke, das sollte ich zukünftig ändern...

Kommentare

Zur Startseite

Dienstag, 17. November 2009

Rehwild im Eichenwald

Nicht nur die Sauen freuen sich im Moment über die reichhaltige Mast von Buchen und Eichen, die im Moment die Waldböden säumt. Auch das Rehwild zieht es in die Wälder. Das erschwert die Jagd auf weibliches Rehwild und Kitze doch erheblich. An der Feld-Wald-Kante sitzt man im Moment zumindest bei uns lange vergeblich. Das Wild erscheint wenn überhaupt erst im allerletzten Abendlicht. Und im Wald wird es mittlerweile früh dunkel. Gerade in jagdlich schwierigen Situationen muss man sich auf den Grundsatz besinnen: "Kommt das Wild nicht zu Dir, musst Du zum Wild kommen!". Das verspricht Erfolg - nicht immer, aber grundsätzlich mehr als stumpfes Ansitzen am Winterraps.

Nachdem ich am Samstag auf einer Drückjagd erfolgreich war, hat es dann am Tag darauf auch nochmal im heimischen Revier geklappt. In den vergangenen Wochen und Monaten hatte ich leider extrem wenig Zeit, um raus zu gehen. Das rächt sich erfahrungsgemäß dreifach: Erstens vermisst man etwas. Zweitens verpasst man gute Chancen (so wie ich am Mais während der letzten Mondphasen). Drittens ist man relativ planlos, was gerade im Revier passiert. Ich hatte nur bei den wenigen vergangenen Ansitzen gemerkt, dass der Rehwildansitz aus oben beschriebenen Gründen heraus im Moment unglaublich schwer fällt. Als es also am Sonntag ins Revier ging, hatte ich schon zuvor etliche Grübelminuten hinter mir. Und ich war immer noch nicht schlauer.

Beim nachmittäglichen Versuch, mit meinem Vater in Gemeinschaftsarbeit einen Hasen auf der Streife zu schießen, ging ich gedanklich nochmal die einzelnen Möglichkeiten für den Abendansitz durch. Wegen des Windes und der Frage des störungsarmen Anpirschens kam eigentlich nur ein kleines Sitzchen infrage, das sich in einem Buchen- und Eichenbestand befindet. Dieses liegt nahe zwei zwei kleiner Dickungen und das Rehwild muss dort wechseln, um später aufs Feld zu gelangen. Der Plan war also gemacht.

Weit vor Anbruch der Dunkelheit kam ich in dem Revierteil "Fuchsleiter/Nummer1" an. Die Ausrüstung war schnell zusammengesucht und ich machte mich auf den doch etwas längeren Fußweg zu meinem Sitz - anfänglich noch spazierend, immer langsamer werdend, schliesslich pirschend. Zumindest das Wetter versprach zu halten und auch der Wind spielte noch mit. Stets spürte ich eine seichte Brise im Gesicht. Das kleine Leiterchen auf das ich wollte, kann man sich eigentlich besser als Drückjagdsitzchen vorstellen. Es steht an einem so gut wie nie benutzten Waldweg oberhalb einer Böschung, zu deren Füßen sich eine regelmäßig von Sauen heimgesuchte Suhle befindet. Auf er anderen Seite des Weges öffnet sich ein weitläufiger Buchen- und Eichenbestand, in dessen Tiefe man bis zu 70 Metern blicken kann. Dem Waldweg weiter folgend gelangt man an einen kurzen Fichtenstreifen, der von den besagten kleinen Dickungen umsäumt wird. Die Schwierigkeit bestand hier darin, alles im Blick zu behalten. Denn Wild konnte von überall anwechseln und die geringen Maße des Sitzchens ließen es nicht zu, unauffällig einen Rundumblick zu nehmen. Ausserdem machte das noch nasse Laub ein Hören von anwechselnden Tieren nahezu unmöglich.

So war es denn auch nur eine kaum wahrnehmbare Bewegung im rechten Augenwinkel, die mich auf einen braunen Fleck in 60-70 Metern Entfernung aufmerksam werden ließ. Ein Blick durch das Fernglas bestätigte es: Eine Geiß zog von oben rechts herunter durch das Holz in Richtung des Weges. Und dahinter konnte ich einen kurzen Moment später das dazugehörige Kitz erkennen - ebenfalls ein weibliches Stück. Nun galt es, kein Federlesen zu machen. Der Abschussplan ist für unser Revier noch ansatzweise nicht erfüllt, das Kitz passte, nun musste ich nur noch eine Lücke finden, es sauber zu schießen. Das ist bekanntermaßen leichter gesagt als getan. Mal sind es nur wenige Äste, die das Blatt verdecken, Mal ein ganzer Baum, Mal ist es die Geiß, Mal scheint sich das Wild wieder spitz von einem weg bewegen zu wollen. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, bis die beiden endlich den Waldweg passieren wollten. Dies gab mir die Möglichkeit zu einem sauberen Schuss. Das Kitz lag am Platz.

Von Jagd


Dabei war das eigentlich gar nicht das Highlight dieses Ansitzes. Es gab noch ein weiteres, das sich während dem eben Erzähltem abspielte und welches ich wegen der notwendigen Konzentration auf meine Beute gar nicht richtig erleben konnte. Im Sommer hatte ich von einem nahen Sitz im halbhohen Gras eine komische Katze gesehen. Sie war auffällig stark und hatte einen geringelten Schwanz. Leider war sie nur für einen Wimpernschlag zu sehen. Und doch war ich mir sicher, dass es sich um eine Wildkatze handeln musste. Dies konnte ich nun betätigen. Während ich zielte, bemerkte ich eine weitere Bewegung in der Böschung vor meinem Sitz. Auf eine Entfernung von 20 Metern tigerte dort eine Wildkatze hindurch. Kräftig, massiver Kopf, buschiger, geringelter Schwanz. Unverkennbar. Für einen Moment war ich drauf und dran, die Kamera zu zücken. Aber da ich so ungeschützt saß und erst noch die Kameratasche hätte öffnen müssen, wären am Ende sowohl die Wildkatze, als auch das Rehwild fort gewesen. Außerdem war die Wildkatze nicht auf ein längeres Verweilen eingestellt, sondern nach wenigen Momenten schon wieder aus meinem Blickfeld verschwunden. Aber ich habe mir vorgenommen, mir einen Schnappschuss auf sie zu erlauben. Mit der Kamera, natürlich.

Kommentare

Startseite

Montag, 16. November 2009

Drückjagdvideo: Ich schieße einen Frischling

Es war eigentlich mehr eine Schnapsidee, mir meine Kamera im Video-Standby-Modus um die Brust zu hängen. Ich bin selbst erstaunt, dass dabei doch einigermaßen spannende Bilder herausgekommen sind. Aber seht selbst:



Die Szene spielte vergangenen Samstag auf einer Drückjagd in der Nähe von Idar-Oberstein/Herrstein. In dem Revier waidwerkt einer meiner besten Freunde und mein Vater und ich sind seit Jahren dort beständige Gäste auf den herbstlichen Jagden. Auf diesen Termin freue ich mich immer ganz besonders, weil er eigentlich immer guten Anblick verspricht und von vielen angenehmen Zeitgenossen besucht wird. Nach der obligatorischen Begrüßungsrunde am Morgen mit unzähligen Handschlägen, folgte das bekannte Prozedere: Ansprache des Jagdherrn, Unterweisung in Sicherheit und Ablauf, Jagdhornbläser (wie immer auf dieser Jagd hervorragend) und Einteilung der Gruppen. Die meinige hatte ich schnell gefunden: seit der ersten Jagd dort werden mein Vater und ich immer von meinem Freund Christoph angestellt und zwar stets im gleichen Revierteil.

Nach einer kurzen Fahrt mit dem Auto und dem Zusammensuchen des Gerödel ging es im Gänsemarsch los. Es blieb nur wenig Zeit, sich mit anderen Bekannten leise über das Neueste auszutauschen, denn bald schon hatten wir den ersten Stand unserer durch einen Hang verlaufenden Schützenkette erreicht. In den letzten Jahren hatte ich mit meinem Freund stets die letzten Stände dieser Kette in einem tiefen Graben eingenommen. Für dieses Jahr waren wir jedoch übereingekommen, dass es für zwei Personen dort unten zu eng ist. Deswegen bleib ich dieses Mal weiter oben stehen. Und obwohl ich extra darum gebeten hatte, mir keine Sonderbehandlung zukommen zu lassen - ich denke, er wusste ganz genau, warum er mich da hin stellte, wo ich nun meinen Rucksack auf dem Boden ablegte.

Dummerweise hatte ich mein Stühlchen vergessen und das erste Treiben würde vorneweg zwei Stunden dauern. Also machte ich mich daran, großflächig das Laub auf dem Boden beiseite zu schieben. So würde ich mir wenigstens durch leichte Bewegung ein wenig Entlastung schaffen können, ohne dabei Krach zu machen. Mein Stand lag in einem lichten Laubholzbestand an einer Wegekreuzung, schräg oberhalb einer Fichtenkultur. Mit Wild war hier von allen Seiten zu rechnen. Ein weites Schussfeld war jedoch nicht gegeben, weshalb ich das Glas von meiner Büchse abnahm. Ein paar Probeanschläge bestätigten meine Wahl. Zu den direkten Nachbarschützen hatte ich Sichtkontakt. Nach der Verständigung mit Ihnen lud ich mein Gewehr, hängte es über die Schulter und atmete einmal tief durch - jetzt konnte es los gehen.

Beständig strichen leichte Windböen durch den Hang und sorgten für ein Rauschen in den wenigen Blätter, die noch an den Bäumen hingen. Aus der Ferne waren die ganze Zeit über seltsamerweise Hubschraubergeräusche zu hören, auf die ich mir so recht keinen Reim machen konnte. Nach einer halben Stunde vernahm ich das erste Mal Hundelaut. Entfernt fielen zwei Schüsse. Bei mir blieb es aber zunächst ruhig bis auf einzelnes Stück Rehwild, das unschlüssig ob der besten Fluchtrichtung durch den Bestand absprang.

Es mag eine Stunde vergangen sein, als das Knacken eines Astes in der Fichtenkultur meine abschweifenden Gedanken schlagartig verfliegen ließen. Es gibt ja Knacken - und es gibt Knacken. Und hier war es eindeutig! Das waren weder Hunde noch Rehwild. Das war nicht irgendein Knacken. Das war DAS Knacken. Untrüglich, wenn auch noch einige Meter entfernt. Ein leichter Stoß Adrenalin fuhr mir in den Bauch. Es war ziemlich klar, das die Sauen irgendwo in meine Richtung die Fichten verlassen würden. Aber das musste nicht zwingend in meinem Schussfeld sein. Es konnte aber auch. Und so kam es dann. Mit einem Mal sah ich eine einzelne Sau aus den Fichten nach oben herauswechseln. Nur einen Wimpernschlag später sah ich die nachfolgenden Frischlinge. Von der Richtung her musste die Rotte, insgesamt acht Wildschweine, nach einigen Metern den nach links von mir verlaufenden Rückeweg überfallen. Zum Glück waren sie nur im Troll unterwegs. Ein Frischling lief etwas isoliert von den anderen - den galt es zu kriegen! Ich backte an. Problemlos ließen sich das rote Signalkorn und die gelbe Kimme übereinanderbringen. Ich fand mein Wutzchen, das gleich den Weg erreicht haben würde. Plötzlich knallte es.... Zwei oder drei Stände über mir war geschossen worden. Schlagartig stand die Bache still. Den Rest der Rotte drückte es zusammen wie eine Ziehharmonika. Dahin war mein erster Anlauf - an einen Schuss war so nicht mehr zu denken. Verunsichert von dem Schuss drehte die Bache ab. Sie wollte nun nach schräg unten an mir vorbei. Vor lauter Anspannung hatte ich aus Versehen die Luft angehalten. Ich atmete durch und sortierte von neuem. Die Rotte zog es wieder auseinander und ich bekam das Gewehr auf einen frei laufenden Frischling. Ein kurzes Mitziehen... Ich schoss...

Während dem Nachladen sah ich, wie meine Beute kurz einsackte und sich dann vom Rest der Rotte separierte, um die unter mir liegenden Fichten anzunehmen. Es ging zu schnell, um einen weiteren Schuss anzubringen. Auch den Rest der Rotte, der nun geradewegs auf meinen Nachbar zulief, konnte ich nicht mehr beschießen. Ich wartete augenblicklich auf den Knall. Doch stattdessen sah ich die Rotte auf einmal wieder nach oben kommen. Nun wechselten sie über den Weg zu meiner rechten Seiten. Ich griff noch einmal schnell zu meinem Gewehr, doch dort wo die Sauen den Weg passierten, hatte ich keinen ausreichenden Kugelfang.

Es folgte eine Stunde des Zweifelns. Der Frischling hatte des Schuss, ganz sicher. Das Zeichnen, das Abtrennen von der Rotte - beides deutliche Hinweise. Ich hoffte nur inständig, dass ich das Wildschwein nicht nur krank geschossen hatte. Immer wieder spielte ich das Szenario noch einmal durch, prägte mir den Schuss und die Stelle ein, wo das Wutzchen in die Fichten gewechselt war. Dabei verpennte ich noch einen Fuchs, den ich durchaus hätte schießen können. Ansonsten kamen mir noch zwei Hasen und ein wenig versprengtes Rehwild. Sonst geschah nichts mehr. Nur meine Verunsicherung stieg, als gegen Ende des Treibens gleich mehrere Hunde über den Anschuss und die Fluchtfährte hinwegstoben, ohne auch nur ansatzweise Interesse zu zeigen.

Nachdem aus dem unteren Teil der Schützenkette "Hahn in Ruh" signalisiert wurde, entlud ich mein Gewehr und kramte das rot-weiße Trassierband aus dem Rucksack hervor. Ich rief Christoph an, um zu fragen, ob ich mit dem Verbrechen warten soll. "Verbrech' den Anschuss und die Stelle, wo die Sau eingewechselt ist, wenn Du sie auf die Schnelle findest. Aber geh' nicht auf eigene Faust in die Fichten! Nachsuche machen wir heute nachmittag mit dem Schweißhund." Der Anschuss war relativ schnell gefunden. Ich fand viel Schweiß und reichlich Pirschzeichen. Ich musste mir auf die Finger klopfen, nicht hinterherzugehen. Ich war mir sicher, dass mein Frischling nicht weit entfernt lag. Aber ich verstand natürlich das Anliegen, markierte Anschuss sowie Einwechsel und machte mich mit Zweifeln beladen auf den Weg zum Sammelplatz.

Die folgende Mittagspause hatte ich bitter nötig. Jagen macht hungrig. Noch bevor der letzte Rest Brötchen vertilgt war, zogen dunkle Wolken am Himmel auf und es begann wie aus Eimern zu schütten. Ich hoffte, dass dies nicht als schlechtes Omen für meine Nachsuche zu deuten sein musste. Dem Regen Tribut zollend ging es dann zügig weiter zum zweiten Treiben. Diesmal schlossen wir uns einer anderen Gruppe an, denn Christoph unterstützte den Schweißhundeführer. Viel kann ich dann vom zweiten Treiben nicht mehr berichten: Zwei Stück Rehwild ließen sich in geraumer Distanz sehen. Und kurz nach Beginn erhielt ich den erlösenden Anruf: "Deine Sau hat nach 40 Metern gelegen. Waidmannsheil!". "Waidmannsdank". Ich war erleichtert.

Am Ende des Jagdtages lagen fünf Wildschweine, drei Rehe und drei Füchse. Eine anständige Strecke. Ich war natürlich besonders froh. Ein großes Schüsseltreiben fand dieses Jahr leider nicht statt. Aber eine gesellige Runde von Jägern fand sich später noch mehr oder weniger spontan zu einem Umtrunk im Dorfgemeinschaftshaus ein. Ein schöner Ausklang eines erfolgreichen Jagdtages. Das Jagdwochenende war allerdings noch nicht vorbei, denn am Tag darauf konnte ich noch ein Stück Rehwild schießen. Aber dazu später mehr...

Zur Startseite

Freitag, 13. November 2009

Wildfleisch direkt vom Jäger

Bunter Herbstwald. Pilze. Wildsaison!

Egal wo man sich in diesen Tagen befindet, in nahezu allen Gasthäusern, Restaurants und Metzgereien wird im Moment Wildfleisch bzw. Wildbret, wie wir Jäger es nennen, angeboten. Die Zeit ist dafür auch optimal: Einerseits ist im Moment vom Rotwild bis zum Hasen Jagdsaison. Deswegen ist im Moment frisches Wilbret verfügbar - egal ob man Hirschsteaks, Wildschweinbraten, Rehgulasch oder Hasenpfeffer zubereiten möchte. Andererseits finden im Moment im ganzen Land Gesellschaftsjagden statt, die natürlich mehr frisches Wildfleisch als in den übrigen Jahreszeiten verfügbar machen.

Wer nun entweder Lust hat, selbst zu Hause ein natürliches Schmankerl aus den heimischen Wäldern zuzubereiten, oder als Jäger gerne seine Delikatessen verkaufen möchte, der ist hier genau richtig. Denn in den Zeiten des Internets ist es ein leichtes, Wildbret anzubieten oder nachzufragen. Eine enorme Hilfestellung bieten hierbei die Wildbretvermarktungsinitiativen. In den dortigen Datenbanken findet man Jäger, die Wildfleisch verkaufen - oder man kann sich als solcher dort eintragen lassen. Hier ein Überblick:

Natürlich sind dies nicht die einzigen Optionen, die man als Wildliebhaber hat, um Wildbret zu kaufen. Lohenswert ist stets auch die Nachfrage in den lokalen Metzgereien. Oftmals bieten diese heimisches Wild küchenfertig an oder aber können zumindest einen Kontakt zu Jägern vor Ort vermitteln. Anderenfalls kann man auch über die Vereinigungen der Jäger auf Kreisebene versuchen, Wildfleischverkäufer zu ermitteln. Die Kontaktmöglichkeiten hierfür lassen sich über die Homepages der Landesjagdverbände ermitteln. Die Links findet man in der hier veröffentlichten Jagdlinkliste und "Verbände".

Im übrigen darf ich auf die schon erfolgten Hinweise in meinem Beitrag "Wildfleisch kaufen und zubereiten" verweisen, insbesondere auch auf die umfassende und kostenlose Wildrezeptesammlung von lupus, die ich dort verlinkt habe. Wer ein echter Wildliebhaber ist , dem kann ich das "Das große Buch vom Wild" wärmstens ans Herz legen. Dieses ist mittlerweile mein absolutes Lieblings-Wildkochbuch, das neben tollen Rezepten eine Menge Hintergrundinformationen über Jagd, Warenkunde und handwerkliche Herangehensweise beim fachgerechten Zerwirken beinhaltet.

Ich hoffe, dass ich noch weitere Wildbret-Vermarktungsinitiativen hier verlinken kann. Wer noch welche kennt, darf sich daher herzlich eingeladen fühlen, sie schnellstmöglich per Email oder Kommentar mitzuteilen!

Beste Grüße und gutes Gelingen...